Abtreibung - Schwangerschaftsabbruch: Für das Recht auf einen freien Entscheid

Die Gegner der Fristenregelung

Human Life Schweiz in Aktion

Seit 1998 organisiert die Schweizer Sektion der in den USA beheimateten Anti-Abtreibungsorganisation Human Life International (HLI) regelmässig Gebetsprozessionen zu Frauenkliniken: Zürich, Bern, St. Gallen, Wil (SG).

Einige Bilder aus Bern

HLI-Beter Bern 2011
HLI-Beterinnen mit Riesen-Fötenbildern (ca. 5. Monat, x-fach vergrössert),  Rosenkränzen und Holzkreuz,
Fotos 2009 und 2011
HLI-Beter in Bern        HLI-Fötenbilder-Rosenkränze

Ein Augenschein bei der Uni-Frauenklinik in Zürich, 2003

Wer auf der Homepage von HLI-Schweiz "Beten für das Leben" anklickt, stösst auf eine "herzliche Einladung" zu den Gebetsprozessionen der konservativ-katholischen Organisation mit Sitz in Zug. Die Anlässe finden sechsmal jährlich jeweils an einem Samstag Morgen statt. Der Ablauf ist immer derselbe: Beginn mit einer Messe in der Liebfrauenkirche (neuerdings Kirche St. Anton) in Zürich. Anschliessend Prozession zum Portal der Uni-Frauenklinik, Gebet und Gesang vor der Klinik. "Für evangelische Christen: Besammlung bei der Frauenklinik".

Am 22. März 2003 wollte ich mir das einmal persönlich ansehen. Ich wollte wissen, wie so etwas abläuft. Und weil am selben Tag auf der ganzen Welt gegen den Krieg und das Blutvergiessen im Irak demonstriert wurde, interessierte mich insbesondere: Würde in der Liebfrauenkirche auch für das Leben unschuldiger Kinder, Frauen und Männer im Irak gebetet werden?

Pünktlich um 9.30 Uhr beginnt die Messe. Sie wird von drei Geistlichen zelebriert, darunter Domherr Christoph Casetti, ein Vertrauter von Erzbischof Wolfgang Haas und Verteidiger des Opus Dei. Er ist auch ein eifriger Propagandist der (für konservative Katholiken einzig zulässigen – aber in der Praxis nicht eben zuverlässigen) "natürlichen Familienplanung". Er spricht von "Wir von HLI". Neben ihm Pfarrhelfer Roland Graf, Webmaster von HLI.

In der Kirche befinden sich etwa 70 bis 80 in ihrer überwiegenden Mehrheit grauhaarige Personen, mehr Frauen als Männer. Junge Leute machen etwa 10 bis 15 Prozent der Anwesenden aus.

Die Geschichte vom verlorenen Sohn wird vorgetragen. Es wird für die Bekehrung derer gebetet, die an Abtreibungen beteiligt sind. Roland Graf empört sich über Politikerinnen und Politiker, die in Blindheit und Leichtsinn Forschung an embryonalen Stammzellen zulassen wollen – sie wüssten nicht, was sie tun. Es wird dafür gebetet, dass Frauen, die abgetrieben haben, Busse tun, dass Ärzte und Krankenschwestern bereuen und umkehren. "Wir sind Zeugen eines Blutbades von Unschuldigen – der absichtlichen Tötung der ungeborenen Kinder – aus egoistischen Gründen."

"Erbarme Dich der Ungeborenen, der Alten und Kranken [???], die getötet werden, der Ärzte und des Pflegepersonals, die gegen ihr Gewissen genötigt werden [???], sich an der ‚Kultur des Todes’ zu beteiligen, der Gesellschaft, die es gesetzlich zulässt, dass die Würde des Menschen mit Füssen getreten wird."[???] – Kein Wort des Erbarmens für die Kinder und Familien im Bombenhagel im Irak. Dass ein gesetzlicher Gebärzwang die Würde von Frauen mit Füssen tritt – das ist wohl jenseits des Vorstellungsvermögens der Versammelten.

"Segne die Pro Life Organisationen" – Life bedeutet hier Embryonen, für die Kinder im Irak ist da kein Platz. Es folgt die Kollekte, zugunsten von HLI. Kaum jemand kann sich dem fordernden Blick der Spendensammlerin entziehen, die von Bank zu Bank geht. Ich weise sie mit Kopfschütteln ab ...

Nach der Eucharistie (Abendmahl) und dem Schlusssegen brechen ca. 50 Leute zur Gebetsprozession auf. "Wir haben die Auflage, den Verkehr nicht zu behindern. Lassen Sie sich nicht provozieren – es soll eine friedliche Gebetsprozession sein". – Wer provoziert hier wen? – Laut Rosenkranz betend und singend bewegt sich der Zug auf dem Trottoir langsam Richtung Frauenklinik. Vorab gehen die zwei Geistlichen: Roland Graf trägt ein Marienbild vor sich her, Christoph Casetti funktioniert als Vorbeter. Seine Worte werden mit Verstärkern nach hinten vermittelt, allerdings dezent, so dass man auf der andern Strassenseite kaum etwas davon hört. Die wenigen Passanten nehmen kaum Notiz, fragen sich verwundert, was das soll. Kopfschütteln.

Etwa um 11.00 Uhr trifft der Trupp bei der Frauenklinik ein und formiert sich gegenüber dem Hauptportal zu weiteren Gebeten und Liedern. Auch hier nimmt keiner Notiz. Von den "evangelischen Christen" ist niemand gekommen. Nach einer weiteren Viertelstunde ist der Spuk vorbei.

Es wäre verfehlt, diese Aktion von Rechtsgläubigen, die sich vordergründig besorgt um das Wohl von Frauen geben, als harmlos abzutun. In der Litanei frommer Sprüche versteckt sich nicht nur Selbstgerechtigkeit, sondern Fundamentalismus und Fanatismus, Intoleranz gegenüber Andersdenkenden. Vor allem aber Schuldzuweisung an Frauen, die sich zum Abbruch einer ungewollten Schwangerschaft entscheiden, weil sie ihr Leben gestalten möchten anstatt es als Schicksal über sich ergehen zu lassen. Die Ungeheuerlichkeit ihres Sprachgebrauchs ist letztlich beängstigend. Vor allem wenn man weiss, dass die Leute von HLI sich in Österreich von ihren dortigen Gesinnungsgenossen instruieren lassen, wie man Frauen vor Abtreibungskliniken belästigen und bedrängen kann und wenn man sich vor Augen führt, was vor amerikanischen Kliniken vor sich geht. Dieses Muster dürfte allerdings in der Schweiz recht schwierig zu kopieren sein, gibt es doch bei uns keine auf Schwangerschaftsabbrüche spezialisierte Kliniken.

Gebetsprozession vor der Frauenklinik in Bern, 25. Juli 2009

Die mitgetragenen Bilder zeigen Föten etwa im 4. bis 6. Monat, x-fach überdimensioniert. Mit Schwangerschaftsabbruch hat das nichts zu tun (in diesem Stadium wird nur in dramatischen Ausnahmefällen eine Schwangerschaft abgebrochen), hat aber klar den Zweck, Frauen Schuldgefühle einzuflössen, sie zu traumatisieren (was den Abtreibungsgegnern gemäss meiner Erfahrung mit Frauen, die vor oder nach einem Abbruch mit solchen Bildern konfrontiert wurden, auch oft gelingt).

Besonders die "Gebete" aus der Gebetsbroschüre finde ich verleumderisch für Frauen und medizinisches Personal :

Wenn das jemand für sich allein im stillen Kämmerlein oder meinetwegen in der kath. Kirche betet - sein Problem. Aber im öffentlichen Raum finde ich das schon ein eher starkes Stück, eine Verletzung des Glaubensfriedens.

Anne-Marie Rey

Interessante Informationen über HLI in Österreich

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Die Gegnerschaft