Abtreibung - Schwangerschaftsabbruch: Für das Recht auf einen freien Entscheid

Abtreibung und Geburtenzahl

Die Regelung des Schwangerschaftsabbruchs hat erwiesenermassen kaum einen Einfluss auf die Zahl der Geburten - jedenfalls nicht in westlichen Industriestaaten mit gutem Zugang zu Mitteln der Schwangerschaftsverhütung. Die Geburtenraten hängen offensichtlich von andern Faktoren ab als von den Abtreibungsgesetzen.

Fruchtbarkeit 2014
(durchschnittliche Kinderzahl pro Frau)
Länder mit Fristenlösung
Frankreich (2012) 1.99
Norwegen 1,75
Dänemark 1,69
Holland 1,71
Schweden 1,88
Belgien 1,74
Schweiz   (Fristenregelung 2002, vorher liberale Praxis) 1,54
Österreich 1,47
Deutschland 1,47
Italien 1,37
Spanien (ab 2010 Fristenregelung, vorher large Praxis) 1,32
Portugal (ab 2007 Fristenregelung, vorher sehr restriktiv) 1,23
Rumänien 1,52
Russische Föderation (2010) 1,57
Bulgarien 1,53
 
Länder mit Indikationenlösung
Irland (absolutes Abtreibungsverbot) 1,94
Grossbritannien (large Praxis) 1,81
Finnland (soziale Indikation) 1,71
Malta (Totalverbot) 1,42
Polen (sehr restriktive Praxis) 1,32
Quelle: Eurostat

Nicht einmal die strenge Kontrolle eines rigorosen Abtreibungsgesetzes, wie es der rumänische Diktator Ceaucescu zwecks Anhebung der Geburtenrate 1966 anordnete, vermochte die Geburtenrate in Rumänien über längere Zeit zu erhöhen.

Geburtenrate in Rumänien
(durchschnittliche Kinderzahl pro Frau)
1966 1,9
1967 (rigoroses Gesetz in Kraft) 3,67
1975 2,6
1983 2,07
1989 (letztes Jahr vor dem Sturz des Diktators) 2,2

Polen hat 1993 das liberale Abtreibungsgesetz massiv eingeschränkt. Die Geburtenrate ist danach nicht angestiegen, sondern deutlich gesunken. Polinnen treiben wieder in der Illegalität ab.

Polen
Durchschnittliche Kinderzahl pro Frau
1990 2
1992 1,93
1995 (rigoroses Gesetz seit 1993) 1,62
1998 1,44
2000 1,35
2003 1,22
2006 1,27
2008 1,39
2013 1.29
2014 1,32

Die Forderung nach Anhebung der Geburtenrate in der nördlichen Hemisphäre wirkt überdies angesichts des weltweiten raschen Bevölkerungswachstums eher absurd und hat einen rassistischen Beigeschmack.

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