Abtreibung - Schwangerschaftsabbruch: Für das Recht auf einen freien Entscheid

Afrika :

Restriktive Gesetze fordern hohen Blutzoll

Die meisten afrikanischen Länder haben äusserst restriktive Gesetze, die noch aus der Kolonialzeit stammen - sie sind immer noch in Kraft, während die ehemaligen Kolonialmächte ihre Gesetze längst liberalisiert haben. Ausnahmen sind Südafrika und Tunesien, die eine Fristenregelung eingeführt haben.

Vier bis fünf Millionen Afrikanerinnen treiben jährlich illegal, meist unter unhygienischen, gefährlichen Bedingungen ab. Die durchschnittliche Abortrate für Afrika wird auf 29/1000 Frauen im Alter von 15-44 Jahren geschätzt, 39/1000 in Ostafrika, 22/1000 in Nordafrika. Die Zahl der Todesfälle infolge von Komplikationen wird auf 30'000 pro Jahr geschätzt. Ein Vielfaches davon betragen die bleibenden Gesundheitsschäden. In verschiedenen Ländern wird die hohe Müttersterblichkeit zur Hälfte auf verpfuschte Abtreibungen zurückgeführt.

In Aethiopien sind Komplikationen aus illegalen Abtreibungen der häufigste Grund für die Spitaleinlieferung von Frauen. Nach Schätzung der WHO sterben 70% der wegen Abtreibung hospitalisierten Frauen an den Folgen.

In Abidjan (Elfenbeinküste) gaben 34% von 2'400 befragten Frauen an, mindestens eine Abtreibung vorgenommen zu haben.

In Kenia gibt es gemäss einem Bericht des Gesundheitsministeriums jährlich schätzungsweise 300'000 illegale Abtreibungen. Über 20'000 Frauen und Mädchen werden mit Komplikationen in die Spitäler eingeliefert. Namentlich in ländlichen Regionen haben Frauen kaum Zugang zu Verhütungsmitteln und andern Dienstleistungen der Gesundheitsversorgung.
(The East African Standard (Nairobi), 7.5.2004)

In Nigeria wird die Zahl der Abtreibungen trotz äusserst restriktivem Gesetz auf über 600'000 pro Jahr geschätzt (Abortrate: 25 auf 1'000 15-44-jährige Frauen. Schweiz zum Vergleich: 6,5/1'000 Frauen). 60% der Eingriffe werden von Nicht-Medizinern oder von der Frau selbst vorgenommen.

An einer Konferenz in Addis Abeba vom 5.-7. März 2003 wurde erstmals an einer regionalen Konferenz über die Abtreibungssituation in Afrika diskutiert. Die 112 KonferenzteilnehmerInnen, darunter Regierungsmitglieder, PolitikerInnen, VertreterInnen von Fach-, Frauen- und Jugendorganisationen, forderten die Regierungen der afrikanischen Länder und die Entwicklungsorganisationen in einer Resolution auf, mehr Mittel für die reproduktive Gesundheit der Frauen zur Verfügung zu stellen, namentlich das Problem der unfachgemäss durchgeführten Abtreibungen anzupacken. Die Regierungen wurden aufgefordert, die überholten Abtreibungsgesetze zu revidieren.

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